Neurodivers lieben – neurodivers heiraten

Stell dir vor: Die Sonne bricht durch die Wolken, die Gäste rücken ihre Stühle zurückt. Ein Paar steht vorne. Natürlich sind sie ein kleines bisschen nervös, aber die Vorfreude überwiegt. Sie haben lange überlegt, wie ihr Hochzeitstag aussehen soll, denn einer von beiden ist neurodivers. Und das bedeutet: Manche Dinge laufen vielleicht ein wenig anders. Weniger Fotos mit Blitzlichtgewitter, dafür mehr Rückzugsmöglichkeiten. Weniger von „das macht man halt so“ und dafür mehr „SO fühlen wir uns wohl“.

Und weißt du was? Es war zauberhaft. Weil es so echt war. Weil alle diese Verbindung zwischen dein beiden spüren konnten, weil keine faulen Kompromisse geschlossen wurden, weil sich niemand verstellen musste. 

Genau darum geht es in diesem Beitrag: Neurodivers lieben – neurodivers heiraten

Was bedeutet eigentlich „neurodivers“?

Neurodiversität ist ein großes Wort, aber im Grund beschreibt es etwas ganz Einfaches: 
Unsere Gehirne sind unterschiedlich, und das ist völlig normal. 

So wie manche Menschen groß sind und andere klein, 
so wie manche Menschen grüne und andere braune Augen haben, 
so funktioniert auch das Gehirn bei jedem ein bisschen anders. 

Zum Spektrum der neurodiversen Vielfalt gehören zum Beispiel Menschen mit: 

Autismus-Spektrum 
ADHS
Dyspraxie
Dyskalkulie
Legasthenie
Tourette-Syndrom
Bipolare Störungen
Hochbegabung

… und noch viele weitere neurodivergente Ausprägungen.

Früher sprach man von „Störungen“. Heute sprechen wir von Vielfalt. Und das macht einen riesigen Unterschied. 
Denn es geht nicht um Defizite, sondern um unterschiedliche Arten, die Welt zu erleben, zu fühlen und zu denken. 

Für die Liebe heißt das: Neurodiverse Paare lieben genauso intensiv, aber vielleicht auf ihre eigene, besondere Weise. 

Neurodivers heiraten - Zeichen für Neurodiversität

Warum Neurodiversität für Hochzeiten immer relevanter wird

Vielleicht fragst du dich: „Warum ist neurodivers heiraten überhaupt ein eigenes Thema?“

Mehr Sichtbarkeit
Immer mehr Menschen sprechen offen über ihre Neurodiversität. Sie verstecken sich nicht mehr, sondern wollen auf auf ihrer Hochzeit ganz sie selber sein.

Gesellschaftlicher Wandel
Weg von „wir müssen alle gleich sein“ hin zu „jeder darf auf seine Weise glänzen“.

Buntere Hochzeiten
Heute gibt es vegane Buffets, Tiny Weddings, Motto-Trauungen. Warum also nicht auch Hochzeiten die neurodiverse Bedürfnisse berücksichtigen.

Stressfaktor Hochzeit
Eine Hochzeit ist oft ein Feuerwerk an Eindrücken. Für neurodiverse Menschen kann das überwältigend sein. Genau da liegt die Chance. Mit bewusster Planung wird es ein Tag, an dem sie sich wirklich wohlfühlen. 

Aus dem Nähkästchen einer Traurednerin

Es war meine erste neurodiverse Hochzeit, die mich bis heute tief berührt. Die Braut lebt im Autismus-Spektrum. Laut sprechen fällt ihr schwer, und auch das spontane Sortieren von Gedanken ist eine Herausforderung. Schriftlich ist sie eine wahre Poetin. Ihre Nachrichten im Vorfeld waren kleine literarische Schätze. Feiner Humor, wunderschöne Bilder, so tiefgründig, dass ich manchmal zweimal lesen musste, um die ganze Schönheit zu erfassen. (Ich liebe es wenn jemand so mit unserer Sprache spielt.)

Darum lief ein Großteil unserer Vorbereitung ganz einfach: schriftlich. Kein nerviges „Sag doch mal schnell“, kein Druck,  sofort zu antworten. Sondern Ruhe und Raum zum wiegen der Worte. Worte die mit Bedacht gewählt wurden und die genau so sein durften wie sie sich für sie richtig anfühlten. 

Und genau diese Haltung haben wir auf die Hochzeit übertragen. Wir haben bewusst das Tempo rausgenommen. Das Fotoshooting fand nicht im üblichen Stressmodus nach der Zeremonie statt, sondern schon lange vorher. So hatten beide Zeit sich zu sammeln, anzukommen und entspannt ihn ihre Freie Trauung zu starten. 

Auch während des Tages wahr klar: Pausen sind kein Luxus, sondern Teil des Plans. Die Braut hatte immer wieder Zeiten in denen sie sich zurückziehen konnte. Ein separater Raum, fern von Lärm und Reizen, wurde zu ihrem sicheren Hafen. Und das Schönste: Ein kleiner, handverlesener Kreis von Gästen machte diesen Raum abwechselnd zu ihrem Safe Space. Nur vertraute Gesichter die für Ruhe und Sicherheit sorgten. 

So konnte sie ihre Hochzeit auf ihre Art genießen. Ohne Überforderung. Nicht trotz ihrer Neurodiversität, sondern gerade mit ihr. Denn die Entscheidung, es ruhiger angehen zu lassen, machte die Hochzeit nicht nur für die beiden entspannter, sondern auch für alle Gäste. 
Die Atmosphäre war sanft, echt und ungekünstelt. Ich spürte: Hier muss niemand funktionieren. Hier durfte jeder einfach sein. 

Warum mir neurodiverse Hochzeiten am Herzen liegen

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann gibt es Momente, die mich noch immer tief berühren. Freie Trauungen in denn die Liebe im Raum spürbar war. Die Liebe zwischen dem Paar, aber auch die Liebe der Gäste zu genau diesem Paar. Und viele dieser Momente durfte ich bei neurodiversen Zeremonien erleben. 

Ich habe gelernt: Neurodiverse Hochzeiten sind nicht „anders“. Sie sind echter. Da gibt es keine Show fürs Publikum, kein „das macht man so eben“. Stattdessen gibt es Klarheit, Authentizität und genau diesen Zauber den diese beiden Menschen zusammengebracht hat. 

Genau das liebe ich. Wenn die Braut lieber ihre Worte schreibt als spricht, und diese Texte einfach alle umhauen. Wenn ein Paar den Mut hat, den Tag langsamer zu gestalten, statt sich in den Strudel aus Stress ziehen zu lassen. Wenn Gäste erleben, dass Rückzug keine Schwäche, sondern gelebte Selbstfürsorge ist. 

Für mich sind diese Hochzeiten zauberschön. Sie erinnern uns daran, dass es nicht darum geht eine Show abzuliefern, sondern sich selber treu zu bleiben.  
Und weißt du was? Genau darin liegt die wahre Magie. 

Planungstipps für neurodiverse Hochzeiten

Eine Hochzeit zu planen, ist schon für „neurotypische“ Paare manchmal ein Triathlon mit verbunden Augen. Da müssen Entscheidungen getroffen werden, Meinungen zusammengeführt werden und gleichzeitig jonglieren sie Budget, Dientsleister und Gästeliste. Puh!

Wenn einer oder beide Partner neurodivers sind, kommen manchmal noch ein paar Extras dazu. Aber das ist kein Drama, im Gegenteil: Es kann sogar der Schlüssel dazu sein, eine Hochzeit zu gestalten, die wirklich authentisch ist. 

Hier kommen ein paar Tipps, die schon in den Vorbereitungen helfen:

  1. Kommunikation so gestalten, wie sie passt
    Nicht jeder fühlt sich in einem Telefonat oder einem direkten Gespräch wohl. Manche brauhen Zeit ihre Gedanken zu sortieren oder sich schriftlich auszudrücken. 
    Mein Tipp: Sprecht mit allen Beteiligten (Traurednerin, Fotografin, Dienstleisterin), wie die Kommunikationam angenehmsten ist. E-Mails, Messenger oder Notizen sind völlig okay, manchmal sogar besser, weil sie Raum für klare Gedanken geben. 
  2. Tempo rausnehmen
    Einen Hochzeit soll kein Wettrennen sein. Gerade neurodiverse Menschen profitieren von längeren Vorlaufzeiten, Pufferpausen und weniger Hektik. 
    Plane Termine so, dass es genug Luft gibt. Lieber eine Stunde Leerlauf als fünf Programmpunkte im Stundentakt. Das senkt den Stress. Für alle. 
  3. Reizquellen bedenken
    Laute Musik, grelles Licht, viele Stimmen auf einmal: das kann extrem anstrengend sein. 
    Überlegt im Vorfeld: Muss die Musik so laut sein? Kann man für Fotos und Programmpunkte natürliches Licht nutzen? Gibt es Räume, die ruhiger sind? Kleine Anpassungen können riesige wirkung haben. 
  4. Rückzugsorte schaffen
    Ein Hochzeitstag ist ein Feuerwerk an Eindrücken. Aber Feuerwerk kann auch mal zu laut sein. Deshalt sind Save Spaces gold wert.
    Plant einen Rücktzugraum ein, vielelicht ein kleines Nebenzimmer das gemütlich gestaltet ist. Dort darf geatmet, sich gesammelt, abgeschaltet werden. Wichtig: Alle Gäste wissen, dass das okay ist und „kein komisches Verhalten“. 
  5. Gäste sensibilisieren
    Es hilft, wenn der engere Kreis versteht, warum bestimmte Dinge anders laufen. Ein Hinweis in der Einladung („Wir feiern in unserem Tempo – bringt bitte etwas Geduld mit“), oder ein vertrauter Gast, der zwischendurch erklärt, warum Pausen eingelegt werden, kann Wunder wirken. 
  6. Flexibilität einplanen
    Vielleicht klappt nicht alles so, wie ihr es ursprünglich im Kopf hattet, und das ist völlig okay. Wenn ihr als Paar wisst „Wir können spontan entscheiden“, sinkt der Druck. Wenn der Sektempfang nach drinnen wandert, weil draußen zu viel los ist – na und? Dann ist es drinnen eben gemütlicher. 
  7. Humor behalten
    Eine Hochzeit ist kein Theaterstück das perfekt aufgeführt werden muss. Wenn es mal etwas ruckelt, lacht drüber. Gerade neurodiverse Paare haben oft einen feinen Humor. Warum nicht auch in der Planung?

Mein Profi-Tipp:
Je individueller, desto besser. Hochzeiten, die neurodiverse Bedürfnisse berücksichtigen, sind nicht „anders“, sie sind einfach echter. Sie nehmen die Realität und die Menschen so wie sie sind. 

Neurodivers heiraten – auf eure Art

Neurodiversität erinnert uns daran, dass Liebe viele Farben hat. Das es nicht den einen Weg gibt, glücklich zu werden. Dass gerade das, was wir manchmal als „anders“ sehen, das Besondere ist, das den Funken Magie ausmacht. 

Vielleicht ist „neurodivers heiraten“ in ein paar Jahren gar kein eigenes Thema mehr. Vielleicht sprechen wir dann einfach von Hochzeiten – so bunt, vielfältig und individuell wie die Menschen, die sie feiern. Wäre das nicht zauberhaft?

Wenn du dich selber als neurodivers verstehst oder einen Menschen liebst, der es tut, dann möchte ich dir sagen: Eure Hochzeit darf genaus so sein, wie ihr seid. Leise oder laut. Chaotisch oder perfekt geplant. Mit Pausen oder mit Feuerwerk. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. 

Wenn ihr mögt, begleite ich euch gerne dabei. Ich helfen euch, eureWorte, das richtige Tempo und die passende Atmosphäre zu finden. So, dass ihr euch an eurem Tag wirklich wohlfühlt. 

Schreibt mir einfach. Erzählt mir eure Geschichte. Gemeinsam machen wir daraus eine Freie Trauung , die euch widerspiegelt. Einzigartig, lebendig und voller Liebe. 

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