Hochsensibel heiraten. Mit großen Gefühlen und charmanten Lösungen.
Dein Lieblingsmensch drückt deine Hand. Eure Musik erklingt und deine beste Freundin verdrückt bereits die erste Träne. Irgendwo raschelt ein Taschentuch, ein Kind flüstert etwas und die Sonne scheint dir ins Gesicht. Während du gerade einen der schönsten Momente deines Lebens erlebst, hat dein Gehirn offenbar beschlossen, sämtliche Eindrücke gleichzeitig zur Vorstellung einzuladen. Natürlich mit VIP-Karten für die erste Reihe.
Wenn du hochsensibel bist, kommt dir das vielleicht bekannt vor. Du bemerkst Kleinigkeiten, die anderen entgehen. Stimmungen können dich intensiv beschäftigen, Musik berührt dich tief und manchmal wird selbst etwas Wunderschönes irgendwann ganz schön viel. Und jetzt stell dir vor, du heiratest. Mit all deinen Lieblingsmenschen, großen Gefühlen und jeder Menge Aufmerksamkeit.
Musst du deshalb auf eine ausgelassene Hochzeit verzichten? Auf keinen Fall! Vielleicht möchtest du sogar genau das: eine große Feier mit Musik, Freudentränen und Menschen, die vor Begeisterung kaum stillsitzen können. Die entscheidende Frage ist, wie du deinen Hochzeitstag gestalten kannst, damit du ihn wirklich genießen kannst. Und dafür gibt es erstaunlich viele charmante Lösungen.
Was bedeutet es eigentlich, hochsensibel zu sein?
Hochsensibilität ist ein Begriff, der inzwischen ziemlich häufig verwendet wird. Allerdings wird dabei gerne einiges durcheinandergeworfen. In der psychologischen Forschung wird häufig von Sensory Processing Sensitivity gesprochen, kurz SPS. Die Psychologin Elaine Aron und ihr Kollege Arthur Aron haben dieses Konzept 1997 wissenschaftlich beschrieben.
Gemeint ist eine Persönlichkeitseigenschaft, bei der Menschen möglicherweise empfindlicher auf bestimmte Umweltreize reagieren und Eindrücke intensiver verarbeiten. Das können Geräusche, Licht oder Berührungen sein. Ebenso können emotionale Eindrücke und zwischenmenschliche Stimmungen eine Rolle spielen.
Hochsensibilität ist keine medizinische Diagnose. Sie wird als Persönlichkeitseigenschaft erforscht. Wie genau sie gemessen werden kann und wie sie sich von anderen Eigenschaften unterscheidet, ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.
Auch die häufig genannte Zahl, wonach 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel seien, ist keine unumstrittene feste Größe. Sensibilität ist unterschiedlich ausgeprägt und lässt sich nicht immer eindeutig in Kategorien einteilen.
Und noch etwas ist wichtig: Hochsensibel zu sein bedeutet nicht automatisch, introvertiert, schüchtern oder besonders geräuschempfindlich zu sein. Vielleicht liebst du laute Konzerte, brauchst danach aber einen ruhigen Abend. Vielleicht genießt du große Familienfeiern und bist anschließend völlig erschöpft. Oder du bemerkst sofort, wenn sich die Stimmung in einem Raum verändert, während andere fröhlich weiterplaudern. Menschen sind eben alle unterschiedlich. Zum Glück.
Sind hochsensible Menschen automatisch neurodivergent?
Hochsensibilität wird häufig gemeinsam mit ADHS und Autismus genannt. Tatsächlich können sich bestimmte Erfahrungen ähneln. Manche autistischen Menschen reagieren beispielsweise besonders empfindlich auf Geräusche oder Berührungen. Auch bei ADHS können Schwierigkeiten auftreten, störende Reize auszublenden.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass hochsensible Menschen automatisch autistisch sind oder ADHS haben. Ob Hochsensibilität selbst unter den Begriff Neurodivergenz fällt, hängt auch davon ab, wie dieser Begriff verwendet wird. Eine allgemein verbindliche wissenschaftliche Zuordnung gibt es nicht.
Für deine Hochzeit interessiert mich ohnehin eine ganz andere Frage: Was tut dir gut, was begeistert dich und was kostet dich unnötig Kraft? Denn eine Bezeichnung allein verrät mir noch lange nicht, wie du deine Hochzeit erleben möchtest.
Hochsensibel heiraten: Warum gerade eine Hochzeit so intensiv sein kann
Eine Hochzeit ist schon für Menschen mit ziemlich robustem Nervenkostüm ein außergewöhnlicher Tag. Da kommen Menschen zusammen, die du vielleicht seit Jahren nicht gesehen hast. Du hörst Musik, mit der du Erinnerungen verbindest. Du bekommst Aufmerksamkeit, erlebst emotionale Gespräche und befindest dich in einem Tagesablauf, den du so vermutlich noch nie erlebt hast.
Hinzu kommen ungewohnte Kleidung, eine besondere Umgebung und die vielen kleinen Entscheidungen, die während einer Hochzeit getroffen werden. Wenn du hochsensibel bist, können bestimmte Eindrücke besonders intensiv ausfallen. Vielleicht bemerkst du das nervöse Lächeln deiner Mutter, während du gleichzeitig versuchst, deiner Traurednerin zuzuhören. Vielleicht berührt dich ein Musikstück so sehr, dass du erst einmal keine Worte findest.
Das kann wunderschön sein. Vielleicht merkst du aber auch, dass du nach einer Weile eine Pause brauchst. Beides darf nebeneinander existieren. Und genau deshalb finde ich es so wichtig, Hochsensibilität bei der Hochzeitsplanung nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt möglicher Belastungen zu betrachten.
Du möchtest schließlich nicht möglichst wenig von deiner Hochzeit mitbekommen. Du möchtest die Momente genießen, die dir besonders viel bedeuten.
Sieben charmante Lösungen für deine freie Trauung, wenn du hochsensibel bist
Eine freie Trauung bietet uns unglaublich viele Möglichkeiten, eure Wünsche zu berücksichtigen. Wir können Gewohnheiten hinterfragen, Abläufe verändern und Lösungen finden, auf die ihr vielleicht noch gar nicht gekommen seid. Dabei geht es nicht darum, eure Hochzeit möglichst reizarm zu gestalten. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen für euch zu treffen.
1. Der Einzug: Muss wirklich jeder auf dich schauen?
Die Musik beginnt. Alle Gäste stehen auf. Sämtliche Blicke richten sich auf den Eingang. Für manche Menschen ist das ein absoluter Traummoment. Andere würden sich am liebsten spontan hinter der nächsten Topfpflanze verstecken.
Wenn du dich bei so viel Aufmerksamkeit unwohl fühlst, müssen wir den Einzug nicht nach dem üblichen Muster gestalten. Vielleicht zieht ihr gemeinsam ein. Vielleicht sitzt ihr bereits auf euren Plätzen, während eure Gäste ankommen. Oder ihr begrüßt eure Lieblingsmenschen sogar persönlich, bevor die Zeremonie beginnt.
Auch die Sitzordnung kann einen Unterschied machen. Wenn eure Gäste im Halbkreis um euch sitzen, entsteht häufig ein anderes Gefühl als bei einer klassischen Anordnung mit langen Stuhlreihen. Und falls du dir einen großen Auftritt wünschst? Dann bekommst du deinen großen Auftritt. Hochsensibilität bedeutet schließlich nicht, dass du dich verstecken musst.
2. Applaus, Musik und Geräusche: Wie laut darf Glück sein?
Ich liebe es, wenn Hochzeitsgäste begeistert applaudieren. Wenn Menschen jubeln und ihre Freude so richtig herauslassen, kann das eine wunderbare Energie entwickeln. Allerdings empfindet nicht jeder Mensch plötzliche Lautstärke als angenehm.
Vielleicht liebst du Musik, erschrickst aber bei unerwartetem Applaus. Vielleicht möchtest du eure Lieblingslieder in voller Intensität hören, während dich ständige Hintergrundgeräusche anstrengen. Dann schauen wir genauer hin. Wir können Musik und Lautstärke abstimmen. Wir können besondere Momente so gestalten, dass du weißt, wann Applaus zu erwarten ist. Vielleicht passt zu euch auch eine andere Form der Begeisterung.
Wichtig ist, dass wir nicht automatisch davon ausgehen, eine Hochzeit müsse möglichst laut sein, um besonders fröhlich zu wirken. Meine eigene Lautsprecheranlage gehört übrigens zu meiner Ausstattung. Die Lautstärke können wir passend zur Situation einstellen.
Absolute Stille kann ich bei einer Hochzeit natürlich nicht garantieren. Schließlich feiern dort Menschen und keine geräuschlosen Pappaufsteller. Aber wir können sehr viel dafür tun, dass du dich wohlfühlst.
3. Große Gefühle: Was passiert, wenn dir die Tränen kommen?
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die bereits bei einem emotionalen Werbespot feuchte Augen bekommen. Und jetzt sitzt du bei deiner eigenen Trauung, neben dir dein Lieblingsmensch, vor euch eure Familien und Freunde. Dann erzählt jemand eure gemeinsame Geschichte. Da kann es schon einmal passieren, dass die Gefühle einen kleinen Vorsprung vor der Sprache bekommen.
Deshalb muss eine freie Trauung nicht im Minutentakt ablaufen. Wenn du einen Moment brauchst, um durchzuatmen, darf dieser Moment entstehen. Wenn du lachst, während alle anderen weinen, ist das genauso willkommen.
Und falls du während deines Eheversprechens plötzlich keinen Ton herausbekommst, finden wir auch dafür eine Lösung. Vielleicht liest dein Partner weiter. Vielleicht machen wir eine kleine Pause. Vielleicht möchtet ihr euer Versprechen gemeinsam sprechen. Wir können sogar vorher vereinbaren, wie ich dich in einem solchen Moment unterstützen soll. Du musst bei deiner Hochzeit schließlich keine Prüfung in emotionaler Selbstbeherrschung bestehen.
4. Überraschungen: Wie viel möchtest du vorher wissen?
Viele Menschen lieben Überraschungen. Andere können einen besonderen Moment deutlich besser genießen, wenn sie ungefähr wissen, was auf sie zukommt. Wenn du hochsensibel bist und unvorhersehbare Situationen dich anstrengen, können wir den Ablauf deiner freien Trauung besonders transparent gestalten.
Du kannst vorher erfahren, wann Musik gespielt wird, wer während der Zeremonie etwas sagt und welche Rituale geplant sind. Vielleicht möchtest du wissen, ob Gäste aufstehen oder ob jemand spontan nach vorne kommt. Auch das können wir besprechen.
Dabei muss ich dir nicht die gesamte Traurede vorab verraten. Schließlich darf eure Geschichte an diesem Tag noch einmal auf ganz besondere Weise lebendig werden. Aber die äußeren Abläufe können vertraut sein. Und ich verrate dir etwas: Eine Überraschung verliert nicht automatisch ihren Zauber, nur weil du weißt, dass sie kommt.
5. Berührungen: Muss nach der Trauung wirklich jeder umarmt werden?
Nach einer freien Trauung beginnt häufig das große Gratulieren. Menschen umarmen euch, küssen euch auf die Wange, klopfen euch auf die Schulter und möchten ihre Freude mit euch teilen. Das kann wunderschön sein. Es kann allerdings auch ziemlich anstrengend werden, wenn du gerade einen emotional intensiven Moment erlebt hast und nun von einer Umarmung in die nächste wanderst.
Deshalb lohnt es sich, schon vorher über die Zeit unmittelbar nach der Zeremonie nachzudenken. Vielleicht möchtet ihr euch erst einmal zehn Minuten zu zweit gönnen. Vielleicht gehen eure Gäste bereits zum Sektempfang, während ihr einen kleinen Spaziergang macht. Oder ihr begrüßt eure Lieblingsmenschen später ganz entspannt in kleineren Gruppen.
Und wenn du Umarmungen liebst, darf natürlich ausgiebig geknuddelt werden. Wichtig ist nur, dass du selbst entscheiden kannst, wie viel Nähe sich für dich gut anfühlt.
6. Die Location: Schön anzusehen ist nicht immer angenehm
Eine Hochzeitslocation wird häufig nach ihrer Optik ausgewählt. Natürlich soll sie wunderschön sein. Aber hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie sie sich anfühlt? Ist es dort sehr hell? Gibt es störende Hintergrundgeräusche? Wie warm wird es im Sommer? Sind die Stühle bequem?
Vielleicht liegt die Location direkt an einer viel befahrenen Straße. Vielleicht rauscht im Garten ein Brunnen, den andere romantisch finden, der dich aber nach zwanzig Minuten wahnsinnig macht. Solche Details verdienen Aufmerksamkeit.
Deshalb schaue ich mir bei der Vorbereitung auch den Ort eurer Zeremonie genauer an. Wo sitzt ihr? Wie fällt das Licht? Wo stehen die Lautsprecher? Gibt es eine ruhigere Ecke, in die ihr euch bei Bedarf zurückziehen könnt?
Auch deine Kleidung darf sich übrigens angenehm anfühlen. Wenn dich ein kratzendes Etikett oder ein enger Kragen ständig ablenkt, hat das nichts mit mangelnder Festlichkeit zu tun. Ein Hochzeitsoutfit darf wunderschön aussehen und bequem sein.
7. Pausen: Darf auf einer Hochzeit auch einfach mal nichts passieren?
Bei vielen Hochzeiten folgt ein Programmpunkt auf den nächsten. Trauung, Gratulationen, Gruppenfotos, Sektempfang, Torte, Reden und Abendessen. Und irgendwann fragst du dich vielleicht, wann du eigentlich einmal dazu kommst, deinen eigenen Hochzeitstag zu genießen.
Deshalb können bewusste Pausen unglaublich wertvoll sein. Vielleicht plant ihr nach der Trauung einen kurzen Spaziergang zu zweit. Vielleicht gibt es einen ruhigen Raum, in den ihr euch zurückziehen könnt. Oder ihr verzichtet einfach auf einige Programmpunkte.
Dabei muss eine Pause keineswegs bedeuten, dass du allein in einem abgedunkelten Zimmer sitzen möchtest. Vielleicht ist dein schönster Rückzugsmoment ein Gespräch mit deinem Partner auf einer Gartenbank. Vielleicht möchtest du einfach zehn Minuten lang niemandem erklären, wie wunderschön alles gerade ist. Auch das darf sein.
Meine persönliche Meinung: Wer hat eigentlich beschlossen, dass Glück anstrengend sein muss?
Ich stelle bei Hochzeiten gerne Dinge infrage, die angeblich dazugehören. Nehmen wir die Gratulationsschlange. Da stehen zwei frisch verheiratete Menschen, die gerade einen der emotionalsten Momente ihres Lebens erlebt haben. Vielleicht haben sie gelacht, geweint und sich ein Versprechen gegeben, das ihnen unglaublich viel bedeutet.
Und was passiert anschließend? Sie bekommen ein ziemlich umfangreiches Empfangskomitee zugeteilt. Mit Umarmungen, Küsschen, Händeschütteln und ungefähr 47 Variationen von „Na, wie fühlt es sich jetzt an?“.
Während ich darüber nachdenke, frage ich mich manchmal, wer diese Choreografie eigentlich erfunden hat. Vermutlich derselbe Mensch, der beschlossen hat, dass man bei einer Hochzeit unbedingt unbequeme Schuhe braucht.
Ich liebe ausgelassene Hochzeiten. Ich mag es, wenn Gäste begeistert applaudieren und sich vor Freude kaum auf ihren Plätzen halten können. Diese Energie kann herrlich ansteckend sein. Aber ich finde auch, dass wir Traditionen gelegentlich freundlich zur Seite nehmen und fragen dürfen: Passt das eigentlich zu den beiden Menschen, die heute heiraten?
Wenn die Antwort Nein lautet, suchen wir etwas anderes. Vielleicht ziehen die Gäste nach der Trauung zuerst zum Sektempfang. Vielleicht gönnt ihr euch zehn Minuten allein. Vielleicht gibt es statt einer Gratulationsschlange ein entspanntes Wiedersehen an den Tischen.
Das ist für mich der eigentliche Luxus einer freien Trauung. Wir dürfen Dinge verändern, weil sie für euch besser funktionieren. Und das gilt für hochsensible Menschen genauso wie für alle anderen.
Hochsensibel heiraten, wenn dein Partner ganz anders empfindet
Vielleicht bist du hochsensibel, während dein Partner große Gesellschaften, laute Musik und spontane Aktionen liebt. Das bedeutet nicht automatisch, dass eure Vorstellungen unvereinbar sind. Wichtig ist, dass ihr miteinander besprecht, welche Momente euch besonders viel bedeuten.
Vielleicht genießt dein Partner einen jubelnden Empfang, während du dir während der Trauung eine ruhigere Atmosphäre wünschst. Dann können beide Wünsche ihren Platz finden. Es geht nicht darum, dass einer von euch auf alles verzichten muss.
Manchmal genügt bereits eine andere Reihenfolge oder ein bewusster Wechsel zwischen lebhaften und ruhigeren Momenten. Und manchmal entdeckt ihr dabei sogar etwas, das euch beiden besser gefällt als der ursprüngliche Plan.
Müssen eure Hochzeitsgäste wissen, dass du hochsensibel bist?
Nein. Du entscheidest selbst, was du über dich erzählen möchtest. Vielleicht möchtest du offen darüber sprechen. Vielleicht reicht es dir vollkommen, wenn bestimmte Dinge einfach anders organisiert werden. Beides ist in Ordnung.
Häufig genügen ganz praktische Hinweise. Wir können euren Gästen beispielsweise erklären, dass ihr euch nach der Trauung zunächst einen Moment zu zweit gönnt. Oder dass während der Zeremonie keine Fotos mit Blitzlicht gemacht werden sollen. Auch eine andere Form des Applauses lässt sich vorher charmant ankündigen.
Niemand muss dafür wissen, weshalb ihr euch genau diese Gestaltung ausgesucht habt. Du musst deine Wahrnehmung schließlich nicht vor versammelter Hochzeitsgesellschaft rechtfertigen. Und falls jemand fragt, weshalb ihr etwas anders macht als erwartet, reicht manchmal eine ziemlich einfache Antwort: Weil wir es so möchten.
Was hilft, wenn dir am Hochzeitstag trotzdem alles zu viel wird?
Auch die beste Vorbereitung kann nicht verhindern, dass ein Hochzeitstag überraschend intensiv wird. Vielleicht berührt dich ein Satz stärker als erwartet. Vielleicht schläfst du in der Nacht vorher schlecht. Vielleicht sind dir plötzlich selbst die Menschen zu viel, auf die du dich wochenlang gefreut hast.
Das bedeutet nicht, dass deine Hochzeit misslungen ist. Es bedeutet zunächst einmal, dass du gerade viel erlebst.
Hilfreich kann sein, schon vorher mit deinem Partner und deiner Traurednerin ein unauffälliges Zeichen zu vereinbaren. Ein kurzer Blick, eine Handbewegung oder ein bestimmtes Wort können signalisieren, dass du eine Pause brauchst.
Dann lässt sich der Ablauf gegebenenfalls anpassen. Vielleicht trinken wir erst einmal einen Schluck Wasser. Vielleicht entsteht ein kurzer ruhiger Moment. Vielleicht übernimmt dein Partner eine kleine Aufgabe, während du dich sammelst.
Und wenn du während der Zeremonie überhaupt keine Pause brauchst? Umso schöner. Eine gute Vorbereitung verpflichtet dich nicht dazu, jede geplante Möglichkeit auch zu nutzen. Sie gibt dir lediglich die Sicherheit, dass du es könntest.
Hochsensibel sein: Wenn die kleinen Momente besonders groß werden
Bis hierhin haben wir viel darüber gesprochen, welche Eindrücke anstrengend werden können. Dabei wäre es schade, die andere Seite zu übersehen.
Vielleicht erinnerst du dich besonders lebhaft an den Klang eurer Musik. Vielleicht berührt dich ein kleiner, liebevoller Satz mehr als jede große Geste. Vielleicht bemerkst du das kaum sichtbare Lächeln deines Partners, kurz bevor ihr euch euer Eheversprechen gebt. Solche Momente können für dich eine besondere Bedeutung haben.
Allerdings möchte ich daraus keine neue Erwartung machen. Du musst wegen deiner Hochsensibilität weder besonders tief empfinden noch jede Nuance wahrnehmen. Du darfst einfach so erleben, wie du erlebst.
Und wenn du am Ende vor allem darüber lachst, dass dein Partner beim Ringwechsel vor Aufregung die falsche Hand ausgestreckt hat, dann ist auch das eine wunderbare Erinnerung.
Häufige Fragen zum hochsensiblen Heiraten
Können hochsensible Menschen eine große Hochzeit genießen?
Ja. Hochsensibilität bedeutet nicht automatisch, dass du große Gesellschaften oder ausgelassene Feiern unangenehm findest. Entscheidend sind deine persönlichen Bedürfnisse. Ein klarer Ablauf, bewusste Pausen und passende Rahmenbedingungen können helfen, auch eine große Hochzeit entspannt zu erleben.
Ist eine kleine Hochzeit für hochsensible Menschen besser?
Nicht grundsätzlich. Manche hochsensiblen Menschen bevorzugen kleine Feiern, andere lieben große Hochzeitsgesellschaften. Die Gästezahl allein entscheidet nicht darüber, wie angenehm eine Hochzeit ist. Auch Lautstärke, Atmosphäre, Erwartungen und Rückzugsmöglichkeiten spielen eine Rolle.
Sollte ich meiner Traurednerin sagen, dass ich hochsensibel bin?
Wenn du möchtest, sehr gerne. Du musst dafür weder eine Diagnose vorweisen noch deine persönlichen Erfahrungen rechtfertigen. Viel wichtiger ist, dass du erzählen kannst, was du besonders genießt und was dich möglicherweise anstrengt. Gemeinsam lassen sich passende Lösungen entwickeln.
Was hilft gegen Reizüberflutung bei einer freien Trauung?
Das hängt davon ab, welche Eindrücke für dich belastend sind. Hilfreich können eine abgestimmte Lautstärke, vorhersehbare Abläufe, ein angenehmer Sitzplatz oder vereinbarte Pausen sein. Auch die Möglichkeit, die Gratulationen anders zu gestalten, kann Erleichterung bringen.
Können hochsensible Menschen auch neurodivergent sein?
Ja. Hochsensibilität kann unabhängig davon auftreten, ob jemand beispielsweise ADHS hat oder autistisch ist. Einzelne Erfahrungen können sich überschneiden. Hochsensibilität allein erlaubt allerdings keine Rückschlüsse auf eine neuroentwicklungsbezogene Diagnose.
Heiratet wie IHR wollt.
Auch mit allen euren feinen Antennen.
Ich wünsche mir, dass du dich auf deine Hochzeit freuen kannst. Auf eure Geschichte, auf die Menschen, die euch wichtig sind und auf diesen besonderen Augenblick, in dem ihr euch anschaut und wisst, weshalb ihr genau hier sein möchtet.
Wenn du hochsensibel bist, darf diese Eigenschaft selbstverständlich Teil eurer Planung sein. Du musst deine Bedürfnisse nicht kleinreden und dich auch nicht auf eine bestimmte Vorstellung von Hochsensibilität festlegen lassen.
Vielleicht braucht eure Zeremonie mehr Ruhe. Vielleicht wünschst du dir einen klaren Ablauf. Vielleicht möchtest du die Musik besonders intensiv genießen und danach ein paar Minuten für dich haben. All das können wir gemeinsam besprechen.
Ich bin Tanja Rauth, die Glücksbotschafterin, und gestalte freie Trauungen im Raum Köln, Bonn und NRW. Besonders gerne begleite ich Menschen, die ihre Hochzeit auf ihre ganz eigene Weise feiern möchten.
Bei unserem Kennenlernen interessiert mich deshalb nicht nur, wie ihr euch kennengelernt habt und was euch miteinander verbindet. Ich möchte auch wissen, worauf ihr euch freut und was euch vielleicht ein bisschen Bauchgrummeln bereitet. Denn häufig verstecken sich genau dort die Fragen, für die wir gemeinsam besonders schöne Lösungen finden.
Deine Hochzeit darf große Gefühle haben. Und du darfst selbst entscheiden, wie viel Trubel dazugehört.
Heiratet wie IHR wollt!
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur
Aron, E. N. & Aron, A. (1997): Sensory-Processing Sensitivity and Its Relation to Introversion and Emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73(2), 345–368.
https://doi.org/10.1037/0022-3514.73.2.345
Greven, C. U. et al. (2019): Sensory Processing Sensitivity in the context of Environmental Sensitivity: A critical review and development of research agenda. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 98, 287–305.
https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2019.01.009
Lionetti, F. et al. (2018): Dandelions, tulips and orchids: Evidence for the existence of low-sensitive, medium-sensitive and high-sensitive individuals. Translational Psychiatry, 8, Artikel 24.
https://doi.org/10.1038/s41398-017-0090-6
Hinweis: Die Gestaltungsideen in diesem Artikel sind praktische Empfehlungen für individuelle Hochzeitszeremonien. Sie sind keine wissenschaftlich geprüften Maßnahmen speziell für hochsensible Menschen.
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