Traufrage bei der freien Trauung: Warum meine Paare vorher eine Tüte Nudeln bekommen

Traufrage freie Trauung: Warum meine Paare vorher eine Tüte Nudeln bekommen

Vor dem Traugespräch bekommt jedes meiner Paare eine Tüte Buchstabennudeln von mir. Dazu ein paar Inspirationen, wie eine Traufrage bei einer freien Trauung aussehen kann. Nichts zum Abschreiben, nur zum Reingucken, falls beim ersten Nachdenken erstmal nichts kommt.

Der Grund dafür ist einfach: Wer frei heiratet, sollte auch frei sein in dem, was er sich verspricht.

Was ist eine Traufrage überhaupt?

Der Moment in der Zeremonie, in dem ihr euch gegenseitig etwas versprecht. Meist eingeleitet mit „Willst du…“. In den meisten Trauungen ist dieser Satz für jedes Paar identisch, egal wie unterschiedlich die beiden Menschen sind, die davorstehen. Niemand ist davon irritiert. Es wurde viele Jahrzehnte so gemacht, dann wird das wohl so alles zu sein haben. Nicht mit mir. 

Der Satz, den ich nie sage

„Bis dass der Tod euch scheidet.“ Ich habe ihn noch nie gesprochen. Nicht aus Trotz, sondern aus zwei Gründen.

Der erste ist ein netter Fakt für die nächste Familienfeier: Der Satz basiert auf einem Übersetzungsfehler. Im englischen Original heißt es „till death us depart“. Depart bedeutete damals trennen, nicht gehen. Beim Eindeutschen wurde daraus scheiden, demselben Wort wie in Scheidung. Der feierlichste Satz der Trauung, gesprochen im Verb für ihr Ende. Merkt nur niemand, weil es sich so schön nach Kirche anhört.

Der zweite Grund ist der eigentliche: Warum euch in einen Satz zwängen, den schon Millionen vor euch gesagt haben? Ihr seid nicht Millionen. Ihr seid zwei bestimmte Menschen mit einer bestimmten Geschichte.

Warum Trauversprechen so lange gleich klangen

Das hat einen einfachen Grund: Jahrhundertelang war die Trauung eine kirchliche, staatlich oder religiös verordnete Angelegenheit. Niemand hat sich gefragt, was zu diesem einen Paar passt, weil es nicht um das Paar ging. Es ging um die Institution. Die Ehe war ein Vertrag zwischen Familien, später zwischen Bürger und Staat, und ein Vertrag braucht einheitliche Klauseln.

Erst mit der freien Trauung hat sich das verschoben. Kein Amt, keine Kirche schreibt mehr vor, was gesagt werden muss. Trotzdem greifen viele Paare automatisch zum alten Text. Nicht, weil sie ihn lieben, sondern weil ihnen keine Alternativen bekannt sind. Die Freiheit ist da, nur wird sie selten genutzt, weil niemand zeigt, wie das gehen könnte.

Freiheit hört bei der Traufrage nicht auf

Eine freie Trauung bedeutet für mich nicht nur: keine Kirche, kein vorgeschriebener Ablauf. Sie bedeutet auch: kein vorgeschriebenes Versprechen. Viele Paare kommen zu mir, weil sie sich aus starren Formen befreien wollen. Sie wählen die Location selbst, die Musik selbst, die Gäste selbst. Und übernehmen dann trotzdem unbewusst den nächsten Standardsatz, weil er halt „dazugehört“. Genau da setze ich an. Freiheit, die an der Traufrage endet, ist für mich nur halbe Freiheit.

Dabei ist die Traufrage der Satz, der am längsten hängen bleibt. Die Deko wird abgebaut, das Kleid hängt irgendwann im Schrank, die Location bleibt vielleicht auf ein paar Fotos. Der Satz, den ihr euch bei der Zeremonie versprecht, wird zitiert. Auf der nächsten Feier, im nächsten Streit, an schlechten Tagen. Umso mehr lohnt es sich, genau hier keine Kopie zu verwenden.

Wie so eine Traufrage entsteht

Ihr bekommt die Nudeln und ein paar lockere Beispiele, bevor wir uns überhaupt zum Traugespräch treffen. Nicht, damit ihr euch schon festlegt. Sondern damit im Kopf etwas anfängt zu arbeiten, bevor der Termin startet. Die Beispiele sind bewusst locker gehalten, keine fertigen Sätze zum Abschreiben, eher Anstoß: So könnte es klingen, wenn zwei Menschen einander etwas ganz Eigenes versprechen. Wer sofort eigene Ideen hat, braucht sie nicht. Wer eher denkt „mir fällt dazu nichts ein“, hat etwas zum Reingucken.

Im Gespräch selbst reden wir über eure gemeinsame Geschichte, über die großen und die kleinen Dinge, die euch ausmachen, über das, was ihr euch für die Zukunft wünscht. Daraus bauen wir eure Fragen gemeinsam. Nicht aus einer Vorlage, sondern aus dem, was ich von euch gehört habe.

Ein Hund. Eine Bohnensuppe.

Zwei Beispiele aus meiner Praxis, weil sich das Prinzip besser an echten Momenten erklärt als an großen Worten.

Ein Bräutigam hat seiner Liebsten versprochen, ihr den Herzenswunsch nach einem eigenen Hund zu erfüllen, sobald es passt. Kein „in guten wie in schlechten Zeiten“. Ein Hund. Als der Satz fiel, ging ein Raunen durch die Gäste, gefolgt von Gelächter. Genau dieses Lachen ist es, das bei einem Standardsatz nie passiert.

Eine Braut hat ihrer Frau versprochen, ihr auch in Zukunft die eine Bohnensuppe zu kochen, die diese liebt. Obwohl sie selbst Bohnen kaum mag. Das ist kein Nebensatz. Das ist Liebe, die sich im Alltag zeigt. Keine Traurednerin der Welt hätte sich diesen Satz ausgedacht. Er kam einzig aus dem Gespräch mit dem Paar.

Beide Versprechen hätten in keiner Standardformulierung Platz gefunden. Genau deshalb sind sie die stärksten Momente der jeweiligen Zeremonie geworden. Die Gäste erinnern sich Jahre später noch an den Hund und die Bohnensuppe. An „bis dass der Tod euch scheidet“ erinnert sich niemand.

Der Moment, in dem sie es hören

Bei den Standartsätzen wissen alle im Raum schon, was kommt. Die Gäste hören mit halbem Ohr zu, weil sie den Satz aus jeder Trauung kennen, die sie je besucht haben. Bei einer individuellen Traufrage kippt das. Niemand weiß, was als Nächstes gesagt wird.

Dann fällt zum Beispiel der Satz mit dem Hund. Oder der mit der Bohnensuppe. Erst ist es still, weil niemand damit gerechnet hat. Dann kann man die Gäste Grinsen hören. Alle schauen aufmerksam wie gebannt und wollen natürlich wissen ob dieses Versprechen bestätigt wird. Eine eigene Traufrage wird erlebt.

Was ihr daraus mitnehmen könnt, auch ohne mich zu buchen

Ihr müsst mich nicht engagieren, um euch diese Freiheit zu nehmen. Falls ihr eure eigene Traufrage sucht, hier ein paar Fragen, die bei meinen Paaren oft den Anfang machen:

Was macht ihr füreinander, worüber ihr nie groß redet? Welchen Streit habt ihr schon einmal beigelegt, auf den ihr im Rückblick stolz seid? Was wünscht ihr euch voneinander in fünf Jahren, ganz konkret, nicht abstrakt?

Die Antworten darauf sind selten poetisch beim ersten Versuch. Meistens klingen sie erst mal banal. Genau die banalen Antworten sind die guten. Die Bohnensuppe war auch banal, bis sie es nicht mehr war. Schreibt eure ersten Antworten ruhig unsortiert auf, so wie sie kommen. Die Feile kommt später, oder gar nicht. Manchmal ist die ungeschliffene Version die ehrlichste.

Und falls euch beim Lesen schon eine eigene Idee durch den Kopf gegangen ist: Das war der Punkt der Übung. Nicht jede gute Traufrage braucht eine Rednerin, einen Redner, oder eine Tüte Nudeln. Manchmal reicht die Frage, die ihr euch beim Frühstück gegenseitig stellt.

Nudeln als Reminder

Warum ausgerechnet Buchstabennudeln und keine Postkarte oder ein schönes Zitat? Weil sie unfertig sind. Rohmaterial, aus dem noch nichts geworden ist. Genau wie eure Traufrage am Anfang unseres Gesprächs: lose Teile, die erst durch das werden, was ich aus eurer Geschichte herausgehört habe, zu etwas Eigenem.

Keine Standardsätze. Nur eure eigenen Buchstaben.

FAQ Traufrage freie Trauung

Was ist eine Traufrage bei einer freien Trauung?

Der Moment bei der Trauung, in dem ihr euch gegenseitig etwas versprecht – meist mit „Willst du…“ eingeleitet. Klassisch ist sie identisch für jedes Paar. Bei einer freien Trauung nicht.

Zwei Gründe. Erstens: Sprachgeschichte: der Satz basiert auf einem Übersetzungsfehler. Zweitens, der eigentliche Grund: Warum soll ich euch in einen Satz zwängen, den schon Millionen vor euch gesagt haben?

Ja. Im englischen Original heißt es „till death us depart“. Depart bedeutete damals trennen, nicht gehen. Beim Eindeutschen wurde daraus scheiden, demselben Wort wie in Scheidung.

Ich setze mich mit euch zusammen. Wir schauen auf eure gemeinsame Geschichte, die großen und kleinen Dinge, die euch ausmachen, und was ihr euch für die Zukunft wünscht. Daraus wachsen die Fragen, nicht aus einer Vorlage.

Nein. Ihr müsst nur ehrlich sein. Den Rest übernehme ich.

Jedes Paar bekommt von mir eine Tüte davon, mit Banderole: eure ganz persönliche Traufrage. Kein Deko-Gag, sondern eine Erinnerung: IHR habt die Freiheit, euch das zu versprechen, was wirklich zählt.

Ja. Ob klein im engsten Kreis oder groß mit hundert Gästen, ob klassisch romantisch oder mit Humor und Augenzwinkern: Die Traufrage passt sich eurer Zeremonie an, nicht umgekehrt.

Ihr wollt mich gerne kennenlernen?

Ich bin nur einen Klick von euch entfernt.

Traufrage bei der Freien Trauung ist nur einer von vielen Beiträgen auf meinem Blog.
Schau gerne vorbei wenn du mehr lesen magst. 

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